Der und das Cannabis und die normative Kraft des Faktischen

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Hanfjournal
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Im Januar 2012 hatte ich in einem Beitrag im Hanf Journal über häufige Irrtümer beim Umgang mit Cannabis festgestellt, dass diese bereits bei der Grammatik beginnen. Ich hatte in diesem Zusammenhang gefragt, ob es der, die oder das Cannabis heißt. Sowohl in offiziellen Schreiben von Behörden als auch in Zeitschriften der Cannabisszene hieß es durchgängig "das Cannabis".

Etwa fünf Jahre zuvor hatte ich die Stelle konsultiert, die in Deutschland für die Grammatik zuständig ist, den Duden. Nach dem Duden war Cannabis männlich, sowie der Hanf, also "der Cannabis". Irrtümer zu Cannabis sind weit verbreitet, also warum nicht auch bei ganz grundlegenden Fragen, wie der Grammatik.

Vor einigen Wochen habe ich erneut im Duden nachgeschaut. Nun heißt es, dass man sowohl der als auch das Cannabis sagen kann. Sprache ist wie andere gesellschaftliche Normen nicht statisch und unveränderlich. Die Fakten, also die Wirklichkeit, können sich soweit ändern, dass sich auch die Normen, also beispielsweise die Grammatik, ändern.

In einem Artikel in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift aus dem Jahr 1890 über die Verwendung von Cannabis bei Magendarmerkrankungen hieß es noch: "Die Cannabis ist von constanter Wirkung zur Beseitigung der Schmerzempfindungen und zur Wiederherstellung des Appetits, unter welchen Verhältnissen auch die Schmerzen und die Appetitlosigkeit auftreten mögen." Offensichtlich galt Cannabis zu dieser Zeit als weiblich.

Ich konnte in den letzten 20 Jahren immer wieder feststellen, dass das, was alle oder die Mehrheit über Cannabis oder Cannabinoide sagen, nicht unbedingt korrekt sein muss. Das Beispiel des Geschlechts von Cannabis ist dafür ein einfaches und für viele überraschendes Beispiel. Und heute ist die Veränderung der Grammatik ein Beispiel dafür, dass sich auch beim Thema Cannabis über die Jahre scheinbar festgefahrene Normen verändern können.

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